Die Schimpftirade von Stuart Seldowitz fühlt sich an wie alltägliches deutsches Twitter

Mittlerweile hast Du wahrscheinlich die viralen islamfeindlichen und rassistischen Beschimpfungen des ehemaligen Beamten des US-Außenministeriums Stuart Seldowitz mitbekommen. In einer Reihe von Videos, die im Internet veröffentlicht wurden, ist Seldowitz zu sehen, wie er einen Halal-Imbisswagenverkäufer mit erniedrigenden und bösen Beschimpfungen beschimpft. Daraufhin brach die Lobbyfirma, mit der er zusammenarbeitete, die Verbindung zu ihm ab und bot dem Opfer stattdessen rechtlichen Beistand an. Der Missbrauch von Stuart Seldowitz wird bereits vom NYPD als Hassverbrechen untersucht. Der ehemalige Berater von Barack Obama hat sich inzwischen entschuldigt.
Hier ist einiges von dem, was er gesagt hat:
Seldowitz drohte dem Verkäufer, dass er sein Foto und seine Informationen an seine Freunde in der Ausländerbehörde und später an seine Kontakte zu den ägyptischen Geheimdiensten senden würde. „Der Mukhbarat in Ägypten wird deine Eltern kriegen“, droht er. „Mag dein Vater seine Fingernägel? Sie werden sie einen nach dem anderen herausnehmen.“ Seldowitz beschuldigt den Imbissverkäufer, pro-Hamas zu sein und sagt: „Wenn wir 4.000 palästinensische Kinder getötet hätten, wäre das nicht genug.“
Nun, wenn Du ein Muslim bist oder jemand, der auf deutschem Twitter als Muslim wahrgenommen wird, wird dir diese abscheuliche Begegnung unheimlich bekannt vorkommen. Dies liegt daran, dass mittlerweile allgemein bekannt ist, dass der Social-Media-Raum auf Twitter von rechten und rechtsextremen Trollen dominiert wird. Dies gilt umso mehr, seit Musk die Macht übernommen und daraus „X“ gemacht hat. Leider sind es nicht nur die rechten und rechtsextremen Trolle. Viele mit politisch zentristischen Ansichten und viele von denen, die sich als Progressive und Linke bezeichnen, praktizieren diese Praxis ebenfalls. Sie fühlen sich durch den Terroranschlag der Hamas in Israel am 7. Oktober besonders ermutigt. Man würde sehen, wie einige der abscheulichsten und antimuslimischsten rassistischen Strukturen reproduziert würden. Und wenn sie zur Rede gestellt werden, tun sie praktischerweise so, als würden sie den Antisemitismus bekämpfen. Als ob dadurch ihr Rassismus irgendwie gerechtfertigt und legitim wäre. Die Publizisten Ruben Gerczikow und Monty Ott haben einen sehr lesenswerten Gastbeitrag „Rechte »Zionisten« sind falsche Freunde der Juden“ für »Jüdische Allgemeine« geschrieben.
Es gibt einen Unterschied zwischen dem deutschen Twitter- und dem Stuart-Seldowitz-Vorfall: Letzterer wird vom NYPD als Hassverbrechen verfolgt, während der Hass auf deutschem Twitter folgenlos bleibt. Die Wahrheit ist, dass die rassistischen und antisemitischen Strukturen so ähnlich sind, dass der Kampf gegen Antisemitismus und gegen Rassismus Hand in Hand geht. Es ist ironischerweise peinlich, wenn eine äußerst rassistische Person vorgibt, Antisemitismus mit Rassismus zu bekämpfen.
Also available in English: Stuart Seldowitz’s rant feels like everyday German-Twitter

