Hat Frau Hübsch das „Kalifat“ verharmlost?
Frau Khola Maryam Hübsch hat mit ihrem Auftritt bei Hart aber Fair nach dem Kalifateklat eine Diskussion ausgelöst. Hat Frau Hübsch die islamistische Demonstration verharmlost? Von der BILD-Zeitung und rechten Hetzern wurde sie sogar als „Islamistin“ bezeichnet. Was genau ist hier das Problem? Was genau ist das Kalifat, an das sie glaubt? Ist sie Islamistin oder nicht? Warum kam es zu so etwas, dass ein angeblicher Islamist beim ÖRR arbeitet und von unserem Steuergeld finanziert wird?
Das Wichtigste zuerst: Was genau ist ein Kalifat und ein Kalif?
Ein Kalif bedeutete nichts anderes als ein Vertreter Gottes. Das kann spirituell wichtig sein, sowie der Papst, oder jemand kann im Namen Gottes, so etwa „Stellvertreter Gottes“ politische Macht beanspruchen. Ein Kalif mit politischer Macht nicht nur über die muslimischen Länder, sondern über die ganze Welt ist genau das, was gemeint ist, wenn die Islamisten auf die Straße gehen und das Kalifat propagieren. Genau dafür stand Hizb-ut-Tahrir, die seit 2003 verboten ist. Andererseits ist das Kalifat das, was Frau Hübsch in der Sendung erwähnt hatte: Sie gehört einer muslimischen Gemeinschaft „Ahmadiyya Muslim Jamaat“ an, die bereits einen „Kalifen“ hat, der auch den Titel „Vertreter Gottes auf Erden“ beansprucht. Aber nur in einer rein spirituellen Form. Vielleicht hätte Frau Hübsch das erklären können, wenn sie mehr Zeit gehabt hätte, ihren Standpunkt klarzustellen.
Es ist klar, dass zwischen den beiden Versionen des Kalifats ein großer Unterschied besteht. Denn bei einer islamistischen Variante würden Frau Hübsch und ihre Gemeinde genauso verfolgt und gefoltert wie in vielen muslimischen Ländern. Ahmadiyya Muslim Jamaat wird in vielen muslimischen Ländern wie Pakistan als „nichtmuslimisch“ eingeführt. Als eine der am stärksten verfolgten Gemeinschaften werden Menschen aus dieser Gemeinschaft schwer verfolgt und außergerichtlich hingerichtet. Es ist ihnen nicht einmal erlaubt, ihre Religion auszuüben. Selbst der damalige „Kalif“ musste wegen der Verfolgung das Land verlassen und das „Kalifat“ existiert nun im Exil. Natürlich kann Frau Hübsch eine solche islamistische Version des Kalifats, die ihr Leben und ihre Gemeinschaft bedroht, nicht befürworten. Und gerade deshalb ist es absurd, ihr Islamismus vorzuwerfen.
Frau Hübsch hat jedoch das Recht, die Begriffe, die für sie eine spirituelle Bedeutung haben, vor Missbrauch zu verteidigen. Natürlich kann sie ein Kalifat propagieren, das keinen Anspruch auf politische Macht hat. Sie darf auch an das Gesetz der Scharia glauben, das nichts anderes bedeutet als Gottes Gebot, nett zu seinen Nachbarn zu sein. Ich wünschte jedoch, dass diese Unterscheidung klarer gemacht würde… dass auch von muslimischer Seite deutlich gezeigt würde, wie gefährlich die Demonstration der Islamisten ist. Denn wenn man genau hinschaut, handelt es sich dabei nicht nur um Fantasien, sondern Hizb-ut-Tahrir verfügt auch über Methoden, diese Träume wahr werden zu lassen. Sie wollten beispielsweise in Pakistan beginnen, weil das Land das einzige muslimische Land mit Atomwaffen ist. Die Methode? Soldaten unter der mächtigen Armee auf ihren Seite bringen und dann durch Meuterei und Gewalt die Macht übernehmen und sie an einen „Kalifen“ weitergeben, der dann die Macht über andere Länder beansprucht. So absurd es auch klingen mag, die Pläne waren real und genau deshalb gibt es in Pakistan und allen muslimischen Ländern ein scharfes Vorgehen gegen diese Bewegung.


